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30 Jun

"Der Schwarm", Frank Schätzing, Roman, Rezension

Mein gebrauchtes Exemplar erwarb ich beim Besuch des BuCon 2011 in Dreieich. Es sah noch wie neu aus und sollte weniger als zehn Euro kosten. Ich war fast schon auf dem Heimweg, als ich zum Stand ging, um das Buch zu kaufen. Der Verkäufer jedoch war gerade ausgetreten, ich derweil hatte es gerade eilig (nach Hause). Kurzentschlossen legte ich einen zehn Euroschein auf den Stuhl (den hölzernen), nahm das Werk an mich und sagte dem Standbetreiber zur Rechten, dass der gute Mann sich von dem Rest einen Kaffee gönnen sollte.

Wälzer wecken bei mir sowohl Anziehungs- als auch Abschreckungskräfte.

Ich denke zunächst an die Mühe des Lesens sowie den Zeitaufwand. Als nächstes jedoch verbinde ich mit dem mir unbekannten Werk die Hoffnung, dass es sich lohnt. Dann folgt die Skepsis, ob es möglich ist, zum Beispiel dieses Buch mit neunhundertachtundsiebzig Seiten zu schreiben, ohne Längen zu fabrizieren.

Letztendlich siegte mein Bücherwurm-Gen (wie üblich) und ich las mich hinein ins Unbekannte. „Unbekannt“ ist bei diesem Science-Fiction-Werk wahrhaftig das treffende Wort. Dennoch hatte ich stets das Gefühl, diese Geschichte in der Gegenwart zu erleben.

So ist es wohl beabsichtigt, jedoch nur möglich durch die überragende Grundidee: Intelligente Lebewesen (lassen wie mal den strapazierten Begriff „Aliens“) in den tiefsten Meeresgräben unseres eigenen Planeten. Fremdartiger als aus dem fernsten Winkel des Universums, denn die Tiefsee scheint unerforschter zu sein als das Weltall.

Bestimmt war ein irdischer Ozean schon des Öfteren die Wiege von unbekannten Wesen, welche in den Hirnen früherer SF-Autoren ersonnen wurden. Aber diese Umsetzung ist gewiss einzigartig neu.

Dies erinnert an „Das Parfum“: ein seltenes Thema (Der bis dato wenig beachtete Gesichtssinn „Riechen“!) wird für eine faszinierende Geschichte entdeckt. Das macht u. a. den Erfolg aus: Das „neue“ Thema und dessen gelungene Umsetzung.

Ein halbes Dutzend Handlungsfäden, beginnend an verschiedenen Punkten der Erde, ohne Verwirrung beim Leser zu stiften - eine Meisterleistung!

Gekonnt werden sie bis zum spektakulären Finale auf dem Flugzeugträger stetig einander angenähert und mit einander verwoben. Zahlreiche Personen überleben die Geschichte nicht. Diese Erzählweise und der Umgang mit den Personen erinnert mich an „Das Spiel der Throne“ von George R.R. Martin. Ich vermute, Frank Schätzing hat dessen erste Bücher aufmerksam gelesen. :-)

Eine guten Stil zu übernehmen ist aber kein Nachmachen, denn einen guten Roman muss man immer noch selber zuwege bringen, wie zum Beispiel die Charakterisierung der Personen. Nachfolgend zitiere ich meine Lieblingsfigur aus dem Schwarm-Roman (geht „leider“ auch drauf):

Johanson war Visionär und wie alle Visionäre dem völlig Neuen ebenso zugetan wie vergangenen Idealen. Sein Leben war getragen vom Geiste Jules Vernes. Niemand hatte den heißen Atem des Maschinenzeitalters, erzkonservative Ritterlichkeit und die Lust am Unmöglichen so treffend zu vereinen gewusst wie der große Franzose. Einzig die Gegenwart war eine Schnecke, die auf ihrem Buckel Sachzwänge und Profanitäten mit sich schleppte. Sie fand keinen rechten Platz im Kosmos Sigur Johansons. Er diente ihr, erkannte, was sie von ihm verlangte, bereicherte ihren Fundus und verachtete sie für das, was sie daraus machte.

Auf neunhundertachtundsiebzig Seiten entdeckte ich nur einen logischen Fehler, und der war auch noch marginal. Was mit einem bestimmten Orca nun nicht stimmte, verrate ich aber nur auf Anfrage ... ;-): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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