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02 Mai

"Eine Billion Dollar", Andreas Eschbach, Roman, Rezension

Dieses Buch habe ich vor einem Jahr gelesen nach einem kostenlosen Download (gut für mich als Leser, ansonsten ein Graus - ich bin ja auch Schriftsteller und möchte von meiner Kreativität etwas haben, nämlich mein Auskommen).

Ich habe schon einige Rezensionen verfasst nach klassischen Mustern, bisher jedoch nur aus der Sicht eines Konsumenten. Ich unternehme mit diesem Text den ersten Versuch, als "Konkurrent", nämlich Schriftstellerkollege zu rezensieren.

Ich kenne seit langem das indianische Sprichwort "Willst du einen Anderen verstehen, musst Du einige Meilen in seinen Mokassins laufen". Bei der Einschätzung (das Wort "Beurteilung" verwende ich aus naheliegenden Gründen nicht) des Werkes eines Kollegen denke ich zunächst einmal an die Mühe, welche beim Schreiben nötig war. Und hier trennt sich bereits die Spreu vom Weizen! Ich jedenfalls erkenne, ob ein Kollege sich wirklich reingehängt hat. Schon H. P. Lovecraft insistierte Fritz Leiber: "Achte beim Schreiben auf Ehrlichkeit, Überzeugung, Sorgfalt, Vollkommenheit und Wissenschaftlichkeit!" (Diesen Satz zitierte Fritz Reuter Leiber, als er von Paul Walker interviewt wurde.)

Der Roman "Eine Billion Doller" ist ein richtiger Wälzer (das ist eher ein Kriterium für Fleiß statt Qualität), jedoch bis zum Schluss gleichbleibend eingänglich formuliert. Unzählige Details wurden von Andreas Eschbach recherchiert und akribisch eingearbeitet, nach dem Motto: "Der Leser hat ein Recht darauf, das der Autor sich die Mühe gibt, den Wahrheitsgehalt des Hintergundes seiner Geschichte zu überprüfen".

Daher für Andreas Eschbachs Emsigkeit: "Chapeau!"

Auf die Handlung gehe ich nicht ein, denn diese wurde, zum Beispiel bei "Amazon", bereits zigmal zusammengefasst. Ich beschränke mich auf die Eindrücke, welche ich beim Lesen hatte. Zunächst hat mich diese Geschichte fasziniert durch ihre wundervolle Eingangssequenz mit dem unerwarteten Gigaerbe sowie der Bewältgung dieser Schicksalswende durch den Protagonisten. Es war eine klasse Idee von Andreas Eschbach, wie dieses Vermögen hätte zustande kommen können (diese fiktive Geldanhäufung begann vor 500 Jahren, aber nun wissen wir, wie es geht, und könnten ruhig mal reell damit anfangen – auch jene Kölner im Mittelalter, welche das Fundament ihres Doms legten, sahen nicht seine Türme!).

Die Schilderungen, wie der Protagonist mit seinem Erbe umgeht, sind über lange Passagen hinweg richtige "Schenkelklopfer" und ich ertappte mich oft bei dem Gedanken: "Jawoll! So etwas hätte ich auch getan, wenn ich so einen Haufen Kohle hätte – liebend gern!"

Daher für die ersten paar hundert Seiten: "Chapeau!"

Beim Weiterlesen des Romans rückt die Frage in den Mittelpunkt: "Was eigentlich sinnvoll machen mit so viel Geld? Zumal es dafür auch gedacht war!" Naheliegend geht es nun um das "Weltgesamt", einem Gewicht, an welchem sich Andreas Eschbach dann etwas verhoben hat. Die Beschreibung, wie mit dem ultravielen Geld mehr und mehr Einfluss auf das Schicksal der Menschen genommen wird, verliert sich in Details und weniger nachvollziehbaren Handlungen. Kein Wunder, dass erst die "Philippinen-Episode" sowie die "Entführung in Mexico" mich wieder lebhafter am Geschehen teilnehmen ließen.

Daher für Weiterführung der Handlung: "Ein Zeigefingerwischer entlang der Zylinderhutkante à la Pan Tau" (Ach, das könnte man noch etwas besser hinzaubern nach dem Motto: Das Bessere ist der Gegner des Guten!) – Apropos ... Pan Tau trägt eine Melone.

Letzendlich ließ mich der Schluss höchst unzufrieden zurück – so ein Haufen Geld und fast nichts ist damit bewirkt worden? Damit hätte man doch viel mehr anfangen können und ich wäre anders an den Schluss herangegangen! Je länger ich jedoch darüber nachdachte, desto einleuchtender war dieses eher lakonische Ende.

Als gelegentlichem Optimisten bleibt mir das fatalistische Resümee: Selbst mit einer Billion Dollar kannst Du die Welt nicht ändern beziehungsweise retten. (Eine Billion Dollar sind im Verhältnis zum jährlichen Weltbruttosozialprodukt von fünfundsiebzig Billionen Dollar und einem Weltprivatvermögen von mindestens 245 Billionen Dollar immer noch "Peanuts".)

Am Roman-Ende hatte ich also zu knabbern, aber darüber nachgedacht gebe ich ein: "Hut ab!" (für "Chapeau" hat es dann aber doch nicht gereicht.)

Das ganze Werk ist ein lesenswertes Buch für Menschen, welche gerne "über unsereiner" reflektieren und es auch ausführlich beschrieben haben wollen – eine Fleißarbeit des Autoren, aber auch für den Leser. Aber ... ich mag solche Bücher!

William Kimball Kinnison – Kassel, den 2. Mai 2014

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